"Katharina Hagena; geboren 1967; studierte Anglistik und Germanistik in Marburg; London und Freiburg; forschte an der James-Joyce-Stiftung in Zürich und lehrte am Trinity College in Dublin sowie an der Universitát Hamburg. Ihr 2008 erschienener Roman »Der Geschmack von Apfelkernen« wurde zum Bestseller. Hagena lebt als freie Autorin in Hamburg.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
''Wir müssen gefáhrlich schreiben'; sagt Joyce. Wohl wahr; aber wir müssen auch gefáhrlich lesen! Eine Irrfahrt ist die angemessene Fortbewegungsart durch diesen Roman; obwohl und zugleich weil er gemeinhin als'Großstadtroman'gehandelt wird. Dublin ist aber eine eher kleine Stadt - verglichen mit den Stádten aus Berlin Alexanderplatz und Manhattan Transfer. Auch wenn die Irrfahrt von Joyce Odysseus Leopold Bloom durch die staubtrockenen; von der Junisonne aufgeheizten Straßen und Gásschen der irischen Hauptstadt führt; so ist das Meer niemals weit entfernt. Die Viertel dieser Stadt sind ebenso meerdurchrauscht wie die Inseln und Irrfelsen der Odyssee. Obwohl nur drei der 18 Episoden des Ulysses tatsáchlich am Strand spielen; ist das Meer in jedem einzelnen Kapitel immer anwesend.'Thalatta; Thalatta!'- jener griechische Schrei aus dem ersten Kapitel hallt durch alle Seiten des Ulysses und findet sein Echo im letzten Kapitel; wo Molly Bloom; Leopolds Frau; im Halbschlaf murmelt:'Oh und das Meer das Meer'. Was erst harmlos mit etwas Wasser in einer Rasierschüssel beginnt; weitet sich bald aus zur großen'rotzgrünen See'. Wasser ist Gegenstand und Medium der Tagtráume und Bewusstseinsströme der Romanfiguren. Unterirdisch wie die verzweigte Dubliner Kanalisation verláuft das Wasser dicht unter der Oberfláche des Textes; schimmert auf und verschwindet wieder. Erst im vorletzten Kapitel bahnt es sich seinen Weg nach oben und schießt in einem alles überschwemmenden Wortschwall aus Blooms Küchenhahn; der für einen kosmischen - und zugleich komischen - Augenblick zum Urquell des Lebens und ozeanischen Weltumgürter wird.'"
Wednesday, September 26, 2018
[PDF] Download Was die wilden Wellen sagen: Der Seeweg durch den Ulysses Kostenlos
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"Katharina Hagena; geboren 1967; studierte Anglistik und Germanistik in Marburg; London und Freiburg; forschte an der James-Joyce-Stiftung in Zürich und lehrte am Trinity College in Dublin sowie an der Universitát Hamburg. Ihr 2008 erschienener Roman »Der Geschmack von Apfelkernen« wurde zum Bestseller. Hagena lebt als freie Autorin in Hamburg.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
''Wir müssen gefáhrlich schreiben'; sagt Joyce. Wohl wahr; aber wir müssen auch gefáhrlich lesen! Eine Irrfahrt ist die angemessene Fortbewegungsart durch diesen Roman; obwohl und zugleich weil er gemeinhin als'Großstadtroman'gehandelt wird. Dublin ist aber eine eher kleine Stadt - verglichen mit den Stádten aus Berlin Alexanderplatz und Manhattan Transfer. Auch wenn die Irrfahrt von Joyce Odysseus Leopold Bloom durch die staubtrockenen; von der Junisonne aufgeheizten Straßen und Gásschen der irischen Hauptstadt führt; so ist das Meer niemals weit entfernt. Die Viertel dieser Stadt sind ebenso meerdurchrauscht wie die Inseln und Irrfelsen der Odyssee. Obwohl nur drei der 18 Episoden des Ulysses tatsáchlich am Strand spielen; ist das Meer in jedem einzelnen Kapitel immer anwesend.'Thalatta; Thalatta!'- jener griechische Schrei aus dem ersten Kapitel hallt durch alle Seiten des Ulysses und findet sein Echo im letzten Kapitel; wo Molly Bloom; Leopolds Frau; im Halbschlaf murmelt:'Oh und das Meer das Meer'. Was erst harmlos mit etwas Wasser in einer Rasierschüssel beginnt; weitet sich bald aus zur großen'rotzgrünen See'. Wasser ist Gegenstand und Medium der Tagtráume und Bewusstseinsströme der Romanfiguren. Unterirdisch wie die verzweigte Dubliner Kanalisation verláuft das Wasser dicht unter der Oberfláche des Textes; schimmert auf und verschwindet wieder. Erst im vorletzten Kapitel bahnt es sich seinen Weg nach oben und schießt in einem alles überschwemmenden Wortschwall aus Blooms Küchenhahn; der für einen kosmischen - und zugleich komischen - Augenblick zum Urquell des Lebens und ozeanischen Weltumgürter wird.'"
"Katharina Hagena; geboren 1967; studierte Anglistik und Germanistik in Marburg; London und Freiburg; forschte an der James-Joyce-Stiftung in Zürich und lehrte am Trinity College in Dublin sowie an der Universitát Hamburg. Ihr 2008 erschienener Roman »Der Geschmack von Apfelkernen« wurde zum Bestseller. Hagena lebt als freie Autorin in Hamburg.
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''Wir müssen gefáhrlich schreiben'; sagt Joyce. Wohl wahr; aber wir müssen auch gefáhrlich lesen! Eine Irrfahrt ist die angemessene Fortbewegungsart durch diesen Roman; obwohl und zugleich weil er gemeinhin als'Großstadtroman'gehandelt wird. Dublin ist aber eine eher kleine Stadt - verglichen mit den Stádten aus Berlin Alexanderplatz und Manhattan Transfer. Auch wenn die Irrfahrt von Joyce Odysseus Leopold Bloom durch die staubtrockenen; von der Junisonne aufgeheizten Straßen und Gásschen der irischen Hauptstadt führt; so ist das Meer niemals weit entfernt. Die Viertel dieser Stadt sind ebenso meerdurchrauscht wie die Inseln und Irrfelsen der Odyssee. Obwohl nur drei der 18 Episoden des Ulysses tatsáchlich am Strand spielen; ist das Meer in jedem einzelnen Kapitel immer anwesend.'Thalatta; Thalatta!'- jener griechische Schrei aus dem ersten Kapitel hallt durch alle Seiten des Ulysses und findet sein Echo im letzten Kapitel; wo Molly Bloom; Leopolds Frau; im Halbschlaf murmelt:'Oh und das Meer das Meer'. Was erst harmlos mit etwas Wasser in einer Rasierschüssel beginnt; weitet sich bald aus zur großen'rotzgrünen See'. Wasser ist Gegenstand und Medium der Tagtráume und Bewusstseinsströme der Romanfiguren. Unterirdisch wie die verzweigte Dubliner Kanalisation verláuft das Wasser dicht unter der Oberfláche des Textes; schimmert auf und verschwindet wieder. Erst im vorletzten Kapitel bahnt es sich seinen Weg nach oben und schießt in einem alles überschwemmenden Wortschwall aus Blooms Küchenhahn; der für einen kosmischen - und zugleich komischen - Augenblick zum Urquell des Lebens und ozeanischen Weltumgürter wird.'"
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